Ist Soja nachhaltig?

In den letzten Jahrzehnten ist der Soja-Anbau auf globaler Ebene sehr stark angestiegen – damit jedoch auch die Kritik. Weltweit werden mehr als 330 Mio. Tonnen Soja produziert – 80 % für Tierfutter, weswegen die damit verbundenen ökologischen Auswirkungen häufig im nachhaltigen Diskurs stehen. In diesem Beitrag verschaffen wir uns einen besseren Überblick über die nachhaltige Bilanz von Soja.


Was ist Soja

Die Sojabohne, wissenschaftlich auch Glycine max genannt, oder einfach Soja, ist eine bekannte Nutzpflanze der Familie der Hülsenfrüchtler. Schon seit 3050 v. Chr. Konnte man einen Anbau als Nahrungspflanze in Japan nachweisen – fast 5000 Jahre später – seit 1875 wird die Bohne auch in Österreich regional kultiviert.


Landwirtschaft

Insgesamt 6 % der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzflächen werden für den Soja-Anbau genutzt. Seit den 1970er Jahren verzeichnet diese von allen Nutzpflanzen auch das größte Wachstum an Anbaufläche. Im Jahr 1960 wurden so ca. 17 Mio. Tonnen Soja produziert, während es 2019 schon 338 Mio. Tonnen waren.


Östrogene in Soja

Gleich zu beginn ist anzumerken, dass Soja kein Östrogen enthaltet. Die Sojabohnen besitzen jedoch sogenannte Phytoöstrogene. Dies sind pflanzliche Hormone, welche eine signifikant abgeschwächte Form von Östrogenen enthalten und die im menschlichen Körper vorhandene Östrogene sogar eventuell abblocken könnten – weswegen sie auch in der Krebsforschung Beachtung bekommen. Dabei könnten Isoflavone (auch Phytoöstrogene) als Antioxidantien den oxidativen Stress in den menschlichen Zellen minimieren und in diesem Zusammenhang auch einen positiven Effekt auf Genmutationen bewirken. Für eine eindeutige Kausalität sind jedoch weitere randomisierte, klinische Studien notwendig.

Eine im Jahre 2003, in der Fachzeitrschrift Cancer Investigation publizierte Metaanalyse untersuchte den Zusammenhang von Genistein, einem Isoflavon aus der Sojabohne, und biologische bzw. molekulare Wirkungen in Verbindung mit Krebszellen. Anreiz für die Studie lieferten statistische Daten, die belegen das die Inzidenz von Brust- und Prostatakrebs in den USA und Europa signifikant höher ist, als im asiatischen Raum wie Japan oder China. Grund dafür könnte laut Analyse die östliche Essgewohnheit sein – welche traditionell mehr Sojaprodukte enthaltet als in westlichen Ländern. Studien zufolge konnte Genistein die Karzinogenese in Tierzellen hemmen. Durch bestimme Modulation von menschlichen Genen, die mit der Kontrolle des Zellzyklus und der Apoptose (d.h. vorprogrammierter Zelltod) im Zusammenhang stehen, könnte das Phytoöstrogen in Soja für ein gewisses Gleichgewicht zwischen Zellüberleben und Zelltod verantwortlich sein.


Soja Isoflavone und männliche Reproduktions-Hormone

Eine im Jahr 2010, in der Fachzeitschrift Fertility and Sterility publizierte klinische Studie untersuchte hierbei, ob die in Soja vorkommenden Isoflavone bei Männern östrogenähnliche Effekte wie die Senkung des Testosteronspiegels bzw. Spermienqualität bewirken. Dafür untersuchten die Forscher die Datenbanken von PubMed und CAB seit Juli 2008 und analysierten Studien, welche sich mit Soja, Isoflavonen, Genistein, Phystoöstrogenen, Androgenen oder Testosteron beschäftigten. Das primäre Ergebnis aus 15 Placebo-kontrollierten Interventionsgruppen und 32 Berichten, welche 36 Untersuchungsgruppen beinhaltete, war wie folgt: Es wurden keine signifikanten Auswirkungen der Sojaprotein- oder Isoflavonaufnahme festgestellt. Laut dem Resultat der Metaanalyse verändern Soja- und Isoflavon-Nahrungsmittel nicht den Testosteronspiegel bzw. die Spermienqualität.


Okinawa Studie

Die Okinawa Hundertjährigen Studie ist die größte vom japanischen Gesundheitsministerium finanzierte Untersuchung über die ältere Bevölkerung in Okinawa, Japan. Hintergrund ist die lange Lebensdauer der Menschen auf der Insel – Forscher hatten im Untersuchungszeitraum mit mehr als 1000 hundertjährigen Bürgern Kontakt. Neben der wahrscheinlich längsten Lebenserwartung global ist die beachtliche Gesundheit der Menschen im hohen Alter signifikant: koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und Krebs – Todesursachen mit der höchsten Mortalitätsrate im Westen – verzeichnen in Okinawa die geringste Häufigkeit auf der ganzen Welt. Primäres Endziel der Studie war es, die Ursache dafür zu untersuchen.


Die Resultate der Untersuchung zeigen, dass die Inselbewohner im Vergleich zu Menschen der westlichen Bevölkerung langsamer altern und ein 80 % geringeres Risiko besitzen, eine Herzerkrankung zu bekommen. Des Weiteren ist die Warscheinlichkeit, an Darmkarzinom zu erkranken um 50 % geringer und das Risiko für eine Brust- bzw. Prostataerkrankung um 25 % niedriger. Zusätzlich dazu verzeichnete man weniger Inzidenzen von Demenzerkrankungen als im Westen.


Wichtiges Ergebnis dabei war – neben soziale Lebensweise und genetische Veranlagung – die traditionelle Ernährungsweise, welche aus einer Fülle von Gemüse und Hülsenfrüchten mit geringer Kaloriendichte, inklusive Sojaprodukte und Tofu bestand.


Waldrodung durch Soja-Anbau

Während es bekannt ist, dass der Anbau von Massenproduktionen wie Soja-Plantagen in unerlässlichen geologischen Standpunkten wie dem Regenwald einen signifikanten Einfluss auf das globale Ökosystem hat, ist zu beachten, dass etwa 5 % des global angebauten Sojas von Menschen zum Verzehr gedacht ist. Ungefähr 80 % dient als tierisches Futter für Massentierhaltungen.

Die größten Anbauländer sind dabei USA, Brasilien und Argentinien, wobei meist genetisch veränderte Sojapflanzen mithilfe von Waldrodungen, Zerstörung von Grasland und Savannen produziert werden. Die globale Anbaufläche für die Sojaproduktion ist ungefähr drei Mal so groß wie die Fläche von Deutschland. Durch diese genetischen Änderungen sind die Monokulturen der Sojabohne gezielt gegen eingesetzte Pestizide immun und können großflächige Besprühung der Unkrautvernichtungsmitteln überleben.


Folglich importiert die EU kostengünstiges Soja als Futtermittel für die Viehzucht und ist mittlerweile vom Soja-Import aus den Anbauländern abhängig. Großteil des Imports ist gentechnisch verändertes Soja, welches über den Umweg der tierischen Aufnahme auf den Steak-Teller landet. Dadurch nimmt ein Mitteleuropäer, der Fleisch konsumiert, pro Jahr im Mittel 60 kg gentechnisch verändertes Soja zu sich, welches davor als geschrotetes Futtermittel verwendet wurde.


Untersuchungen zufolge wäre dies in diesem Maße gar nicht notwendig, da 65 % des eingebrachten Sojas in Europa durch regionales Futtermittel ausgetauscht werden könnte.

Rindfleisch oder Tofu

Soja als Futtermittel für tierische Lebensmittel zeigt in der Nachhaltigkeits-Bilanz keinen Mehrwert. Um eine Portion Rindfleisch (d.h. zu je 200g) zu erzeugen, benötigt man 9 kg pflanzliche Eiweißlieferanten wie Soja. Mit dieser Menge könnte man 68 Portionen Tofu (d.h. zu je 200 g) herstellen.


Während Mais dem Boden wertvolle fein zersetzende, organische Substanzen entzieht, reichert die Sojapflanze den Boden mit diesen an. Dadurch kann die Erde für zukünftige Pflanzen aufbereitet werden, der Ackerboden bleibt weiterhin fruchtbar und kann besser bearbeitet werden. Hintergrund ist die Abgabe des wichtigen Stickstoffs in den Boden – nur ein geringer Anteil wird für die Eiweißbildung verwendet.


Soja-Anbau in Österreich

In Österreich wird ausschließlich gentechnikfreies Saatgut für die heimische Soja-Produktion verwendet. Das Land nutzt im europäischen Vergleich große Mengen der Sojaproduktion für den menschlichen Lebensmittelbereich, denn um die 50 % werden in diesen Breitengraden dafür verwendet. Mehr als ein Drittel der Sojaproduktion in Österreich entspricht den Bio-Richtlinien für den Anbau.

Fazit

Zusammenfassend enthält pflanzliche Milch aus Soja keine Östrogene und die enthaltenen Phytoöstrogene verzeichneten keine negativen Eigenschaften bzw. Änderungen im menschlichen Hormonhaushalt bzw. Spermienqualität bei Männern. Soja wird großflächig als Monokultur angebaut, jedoch wird bis zu 80 % dafür als Tierfutter verwendet. Vergleicht man den Mehrwert der Produktion von Rindfleisch und Tofu, kann man mit 9 kg Soja entweder 5 Portionen Rindfleisch oder 68 Portionen Tofu herstellen.

Umweltfreundlich angebautes Soja hat positive Auswirkungen für die Biodiversität im Ackerland und nachhaltige Effekte für die ökologische Beschaffenheit des Bodens. Eine bewusste Auseinandersetzung mit Soja und dessen Produktion enthüllt die Bedeutsamkeit einer nachhaltigen Ernährungsweise.

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