Überblick: WHO als Vorbild der Nachhaltigkeit?

Ein Vorbild in Unternehmensführung im Sinne der Nachhaltigkeit zu sein ist nicht sehr einfach. Obwohl es den Anschein macht, dass immer mehr Unternehmen den Weg in die Nachhaltigkeit wagen, sind die Strategien dieser bei genauerem Anbetracht fragwürdig, oder zumindest nicht eindeutig. Als sogenannte Sonderorganisation der Vereinten Nationen ist die Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO, international bekannt und koordiniert mit Sitz in Genf das öffentliche Gesundheitswesen.

Da Gesundheit für unsere und die Generationen nach uns ein signifikanter Aspekt der Nachhaltigkeit darstellt, haben wir uns die Frage gestellt, wie sehr die WHO in ihrer Unternehmensführung und Vision umweltbewusst ist, denn ihr Ziel sei ja die Erfüllung des bestmöglichen Gesundheitsniveaus bei jedem Menschen. Ihre Vision ist zweifelsfrei ein Beitrag für die Nachhaltigkeit – doch ist es beim Unternehmen selber auch so?

Was ist die WHO

Die WHO wurde am 7. April 1948 gegründet, wobei aktuell 194 Staaten Mitglieder der Unterorganisation der UN (d.h. United Nations) sind. Seit dem Juli 2017 wird die Sonderorganisation von Tedros Adhanom Ghebreyesus geleitet.  Das Ziel der WHO ist wie schon weiter oben und im Namen der Organisation erwähnt, die globale Gesundheit für jeden Menschen mit den besten Möglichkeiten sicherzustellen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf die Bekämpfung von Infektionskrankheiten und Aufbau des allgemeinen Wohlergehens global.

Sechs Punkte für ein nachhaltiges Management?

Die WHO selbst stellt mehrere öffentlich zugängliche Strategien für ein nachhaltiges Management zur Verfügung, in denen laut eigenen Angaben der Organisation konkrete Schritte für eine positive Weiterentwicklung in Bezug zur Umweltwirtschaft genannt werden. Dabei wurden mehrere Initiativen veröffentlich, welche sich mit der UN 2020-2030 Strategie für nachhaltiges Management und sechs Verwaltungsfunktionen annähert. Diese wären:

1. Anschaffung

Laut WHO besitzt die WHO eine nachhaltige Regelung der Anschaffung.

2. Human Resources

HR und das Personal arbeiten bei nachhaltigen Themen zusammen und bestimmen spezifische Homeoffice- bzw. Fernarbeit-Regeln.

3. Einrichtungen

Der Hauptsitzt der WHO in Genf soll bis 2024 klimafreundlich eingerichtet werden.

4. Reisen

Bei beruflichen Reisen wird die Umwelt und Emissionsverbrauch berücksichtigt.

5. Veranstaltungen

Auf der Agenda stehen Veranstaltungen ohne Plastik und Papier – in Verbindung mit mehr Videokonferenzen in Zukunft. Es wird auch darauf geachtet, dass Lebensmittel nicht verschwendet werden und Mehrweggläser benutzt werden. Nachhaltige Catering-Dienstleitungen werden verwendet, welche auch vegetarische Optionen bieten – in den Getränkeautomaten sind keine Plastikflaschen zu finden.

6. IKT

(d.h. Informations- und Kommunikationstechnik) In weiterer Folge werden Konferenzen, sofern möglich, Digital abgehalten, Online-Dokumente erstellt und verwendet, elektronisch registriert, um den Verbrauch von Papier zu reduzieren und Reisen zu minimieren.

7. Straßenverkehr

WFS (WHO Fleet Services) und die WHO selbst arbeiten eng zusammen, um die Umwelt durch Reduzierung des Treibstoffs und Modernisierung des Fuhrparks (d.h. Wagenflotte) zu schonen. Fahrer bekommen Training in umweltfreundliches Fahren und es werden zusätzlich moderne und elektronische Fahrzeuge verwendet. Das Hauptquartier verfolgt das Ziel, alle betrieblichen Fahrzeuge durch Plug-in-Hybrid und Elektrofahrzeuge ausgetauscht.

8. EMP

(d.h. Environmental Management Procedures, Deutsch: Umweltmanagementverfahren) Für interne Due-Diligence-Praktiken in Bezug auf Umweltmanagement besitzt die WHO eigene Verfahren, die aktiv energieeffiziente Arbeitsweisen steigert.


Zusätzlich arbeitet die WHO aktiv mit den Behörden der Umweltmanagementgruppe der UN (d.h. Environment Management Group, kurz: EMG) und dem nachhaltigen UN Team (d.h. Sustainable UN-Team, kurz: SUN) zusammen, um umweltfreundlicher und klimafreundlicher zu werden.
Die WHO ist auch Teil der sogenannten Greening the Blue Initiative. Dies ist eine UNEP (d.h. Umweltprogramm der Vereinten Nationen) Arbeitsgemeinschaft, die der UN bei der Transformation zu mehr Nachhaltigkeit bei Einrichtungen und operativen Prozessen helfen soll. Mehr dazu weiter unten.

WHO Umweltperformance

Seit dem Jahre 2009 misst und veröffentlicht die WHO die eigenen Treibhausgasemissionen.

CO2 Fußabdruck

Laut den Archiven wird von der Organisation geschätzt, dass rund 32.149 T CO2 (bzw. dessen Äquivalent) ausgestoßen wurden.

Flugverkehr

Rund 92 % der Emissionen verzeichnet dabei der Flugverkehr. Im Vergleich dazu hat im Jahr 2019 ein Einwohner Deutschland im Mittel 7,9 T CO2 verbraucht.

Recycling

Darüber hinaus misst und veröffentlicht die WHO den selbst produzierten Abfall und besitzt ein Abfallmanagement. Dabei werden rund 99 % des erzeugten Abfalls auch wieder recycelt oder wiederverwendet.

Wasserverbrauch

Auch der Verbrauch von Wasser wird von der Organisation gemessen. Von 2017 bis 2018 wurde der Wasserverbrauch beinahe um das 7-fache minimiert.

Umweltmanagement

Die WHO überlegt auch, alle regionalen Büros in der Bewertung des CO2-Fußabdrucks aufzunehmen und das Nachhaltigkeitsmanagement auf globale Ebene auszuweiten.

Emissionen verringern

Die WHO fördert Videokonferenzen anstelle von betrieblichen Reisen bzw. falls möglich, wird die Nutzung von Zugverkehr und Fahrzeugen vorangetrieben. Die Daten zeigen: das Nutzen von Zug als Verkehrsmittel hat sich im Jahr 2019 im Vergleich zu 2018 verdoppelt.
Außerdem wird in Video- und Audiotechnologie investiert, sodass die Besprechungsräume optimal für die moderne Telekommunikation inklusive Translationen ausgestattet sind.
Elektronische Dienste werden in den Vordergrund gerückt. Unter anderem mit Hilfe von:

  • Virtualisierung von unterschiedlichen Services
  • elektronische Signatur
  • Druckreduzierung
  • Minimierung persönlicher Druckgeräte
  • Cloud-Speicher
  • Serverräume werden mit nachhaltiger Energie gekühlt


Derzeit wird auch über eine eventuelle reduzierende Flugverkehrspolitik diskutiert.

Zukunftsvisionen

Wachstum und Weiterentwicklung ist ein großer Teil der Nachhaltigkeit. Viele Unternehmen nutzen den Deckmantel nachhaltig oder biologisch, um diese Begriffe für reine Marketingzwecke zu benutzen ohne jedoch einen tieferen, moralischen Zweck zu verfolgen. Schauen wir uns also genauer an, ob die WHO in ihren Zukunftsvisionen den Begriff Nachhaltigkeit lediglich als Trend, oder ob die ökologisch umweltbewusste Unternehmensführung ernst gemeint ist.
Laut WHO wird in aktive Zusammenarbeit mit der Active Green-Gruppe und der Staff Association investiert, wofür eine sogenannte Greening WHO-Initiative gegründet wurde.

Greening the Blue Initiative

Die Greening the Blue Initiative bringt einen jährlichen Report heraus (The UN system´s Enviromental Footprint), in dem die gesammelten ökologischen Einsparungen, Verbrauch und Umweltauswirkungen öffentlich ersichtlich sind. Der Report deckt das jeweilige vorige Jahr ab, d.h. der Greening the Blue Report 2020 beschäftigst sich mit den Daten aus 2019. Demnach ist der nächste Report für das Jahr 2020 mit Spannung zu erwarten, da sie Auswirkungen der COVID-Pandemie sicherlich Auswirkungen auf das Reisen, die ja mehr als 90 % der Emissionen ausmachen, hat. Dieser ist in zwei Teilen aufgeteilt:

  • Broschüre: Diese fokussiert sich auf die gesammelten Daten und bewertet diese als Ganzes.
  • Datenauswertung: Dafür werden die Daten (d.h. Umweltbelastungen und Maßnahmen zur Minderung dieser) der einzelnen WHO-Einrichtungen der Homepage greeningtheblue.org bereitgestellt und analysiert.

Konkret hat die Datenerfassung ergeben, dass im Jahr 2019 rund 2 Mio. T CO2 Emissions-Äquivalenz mit einem Pro-Kopf Ausstoß von ungefähr 6,5 T CO2 produziert hat – weniger als der durchschnittliche Deutsche. Verglichen mit dem Greening the Blue Report aus 2010, welche einen Pro-Kopf Ausstoß von 8,3 T verzeichnete, sind dies rund 1,8 T weniger.


Mit 97 % der gemeldeten Emissionen von 2019 ist das UN-System auf gutem Weg, sein Ziel einer 100-prozentigen Klimaneutralität seines Fußabdrucks im Jahr 2020 zu erreichen. Auch die Umweltpolitik hat Fortschritte gemacht, und fünf weitere UN-Einrichtungen haben Fortschritte bei der Umsetzung von Umweltmanagementsystemen gemacht. Dabei wurden 97 % der Umweltemissionen auf dem Jahr 2019 wieder ausgeglichen.
Allgemein lassen sich Informationen durch solche Datenverarbeitungen zum Zwecke der Verringerung von Emissionen gut nachverfolgen. Des Weiteren kann dadurch auch ein Managementkonzept in Bezug auf Nachhaltigkeit besser unterstützen.

Greening and Accessibility Fonds

Der von der UNICEF ins Leben gerufene GrAF (d.h. Greening and Accessibility Fund) soll den Organisationen auf globaler Ebene helfen, nachhaltige Änderungen zu schaffen. Dadurch können UNICEF-Büros zweimal im Jahr auf das Kapital zugreifen. Dieser wird durch einen 3 %-igen Flugreisezuschlag generiert und soll die Umweltauswirkungen im kleinen Ausmaß minimieren. Dadurch konnte man mit den letzten drei GrAF Kapital-Sammlungen 1,2 Mio. USD zur Verfügung stellen. Beispiele für Nutzung des Fonds wären:

 

  • UNICEF Uruguay: Mithilfe des Kapitals konnten alte Klimaanlagen erneuert werden und die Beleuchtung in den Büros durch energiesparende LED-Leuchten mit Bewegungsmeldern umgetauscht werden.

 

  • UNICEF Ashgabat: Auch hier wurden die LED-Lichter mit Meldern umgetauscht, was zu einer 20 %-igen Ersparnis bei den Energiekosten führte.

 

  • FAO und UNDP in Ghana: Die Food and Agriculture Organization (Kurz: FAO) und das United Nations Development Programme (Kurz: UNDP) arbeitete im Jahr 2019 gemeinsam, um Photovoltaik-Anlagen zu errichten, welche zwischen 30 und 40 % des Energiebedarfs der UN-Einrichtungen einsparen würden.

 

  • UNON in Nairobi: In Kenia wurde die biologische Flora und Fauna am Gelände durch Landschafts-Umbauten erweitert.

Fazit

Die WHO hat mehrere Schritte eingeleitet, um die Emissionen, welche die Organisation produziert, zu sammeln, und nachzuverfolgen. Dadurch kann der Erfolg besser in Bilanz gestellt werden. Sie konzentrieren sich auf sechs Verwaltungsbranchen (Anschaffung, HR, Einrichtungen, Reisen, Veranstaltungen, IKT, Straßenverkehr und Umweltmanagement) in denen sie Verbesserungen durchsetzen. Bei dem jährlichen CO2 Emissionsverbrauch sind sie schon jetzt unter dem Pro-Kopf-Verbrauch von Bürgern in unseren Breitengraden. Dieser Setzt sich jedoch noch immer zu mehr als 90 % aus Flugzeugtreibstoff zusammen, welcher laut WHO in Zukunft verringert wird.

Der Report des Jahres 2020 wird dementsprechend zeigen, wie sehr dies geschehen ist. Schon jetzt besteht ein Konsens im Bezug zur Wahrnehmung und Verhalten gegenüber Telekommunikation für Veranstaltungen und Meetings. Dies hat auch die 73. WHO-Versammlung im Jahr 2020 gezeigt, welche komplett virtuell stattgefunden hat. Dieses Momentum soll nicht verloren gehen, sodass der Wandel zu einem Emissionsfreiem Unternehmen stattfinden kann. Falls dies passiert, wäre die WHO tatsächlich ein Vorreiter in Bezug zur internationalen nachhaltigen Unternehmensführung.

Quellen:

United Nations Environment Programme (2020). Greening the Blue Report 2020: The UN System’s Environmental Footprint and Efforts to Reduce it. Geneva: UNEP.

 

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